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Informationen zur Methode der funktionellen Schmerztherapie:
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Abstract: Die Ursachensuche bei funktionellen Schmerzen im Wirbelsäulenbereich führt zur Differenzierung von zwei Kategorien:
Zu viel oder zu wenig Beweglichkeit. Die Behandlung zielt in beiden Fällen auf die selbe physiologische Koordinierung des Bewegungsablaufes ab. Einmal mit dem Fokus der Bewegung auf Stabilisierung, das andere mal mit dem Fokus auf vergrösserter Bewegungsfreiheit.

Keywords: Rückenschmerzen, Instabilität, Fixierung, Muskeltraining

 

“Das Kreuz mit dem Kreuz” oder
Differenzierung und Ursachensuche bei Rückenschmerzen

“Nicht Bewegung, sondern nur physiologisch koordinierte Bewegung hat einen positiven Effekt in der Prophylaxe und Therapie von Schmerzsyndromen der Wirbelsäule”.

Möchte man die Vielzahl an schmerzhaften Erkrankungen, die der manuellen Behandlung des Rückens zugänglich sind funktionell unterteilen, so sind zwei Kategorien augenscheinlich sinnvoll:

  • zu viel Bewegung: Instabilität (durch mangelnde muskuläre/ligamentäre Fixierung), Wirbelgleiten (durch knöcherne Defekte am Wirbelbogen)
     
  • zu wenig Bewegung: muskuläre Verspannungen, Fixierung, Wirbelblockierungen, Spondylarthrose (Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, u.U. mit Einengung der Nervenaustrittekanäle), Spinalkanalstenose (Einengung des Wirbelkanals)
     

  • Die Problematik von Bandscheibenvorfall & Vorwölbung
    ist eine besondere. Zur Entstehung beigetragen hat wohl in der Mehrzahl der Fälle der Bewegungsmangel, bzw. die einseitige, immer wieder kehrende Belastung durch unphysiologisch koordinierte Beckenbewegung im Alltag (im Gang!).

    Therapeutisch sinnvoll ist hierbei die Koordinierung der Beckenbewegung  im Gang. Wird das Becken im Gang in der Standbeinphase aufgerichtet (d.h. das Kreuzbein bewegt sich nach hinten-unten), so wird gleichzeitig die Wirbelsäule rückseitig geöffnet und die Belastung verteilt sich über die gesamte Bandscheibe auch nach vorne anstatt lediglich immer die selbe Seite zu komprimieren und niemals zu dekomprimieren). Folge ist eine gleichmässige Ausdehnung der Bandscheibe gerade in der besonders stark belastenden Aufsetzphase der Ferse, was deren Stabilität fördert.

    Bei unkoordinierter Bewegung führt die ständige Kompression lediglich der rückseitigen Anteile der Bandscheibe zu andauernder Überbelastung (ohne Dekompression). Dies bringt mit der Zeit eine Erschlaffung der rückseitig stabilisierenden Strukturen mit sich, was nach Jahren der Fehlbelastung schließlich bei einer kleinen Bewegung (meist beim Beugen nach vorne) die Bandscheibe nach hinten heraustreten lässt.

    Unphysiologischer Bewegungsablauf:

    bsunphys1Häufig anzutreffender unphysiologischer Bewegungsablauf während der Standbeinphase im Gang.

    Das rückseitige Band wird durch Belastung beim Gehen entspannt!
    Dies führt zu mangelnder Stabilität und Schwächung des Bandes (ligamentum longitudinale posterior).

     

    bsunphys2Bandscheibenvorfall nach hinten; ausgelöst beim Beugen nach vorne durch des geschwächten rückseitige Band.

     

     

     

    Physiologischer Bewegungsablauf:

    bsphys1Bewegung zweier Wirbelkörper bei Belastung in physiologischem Bewegungsablauf während der Standbeinphase im Gang.

    Das vorder Band behält seine Länge, während das hintere Band gestrafft wird. Dies fördert die Fixierung der Bandscheibe in ihrem Fach gerade in der stark belastenden Standbeinphase.

    bsphys2Das hintere Band wurde durch andauernde, physiologische Belastung gekräftigt und behält so seine stabilisierende Funktion für die Bandscheibe beim Beugen.

     

     

     

    Zu viel Beweglichkeit in der Wirbelsäule

    Instabilität findet sich meist als Kompensationsmechanismus einer an anderer Stelle in der Beweglichkeit stärker eingeschränkten Wirbelsäule.

    Irgendwo muss sich der Körper seine verloren gegangene Beweglichkeit wieder holen. Dies führt auf diesem Weg aber leider zur Instabilität.

    Therapeutisch sinnvoller ist die Mobilisation der verhärteten Strukturen um die überbeweglichen Anteile “wieder zur Ruhe kommen zu lassen”.

    Die Überbeweglichen Strukturen (meist LWS und/oder HWS) können durch gezieltes, dreidimensionales Training der aufrichtenden Strukturen gekräftigt werde (u.a.Beckenboden und die tiefen, vorderen Halsmuskeln). Wichtig ist hierbei die Dehnspannung der Wirbelsäule auzubauen und zu verstärken, da erst dann die ligamentäre Verspannung der Wirbelsäule wieder bei der Stabilisierung von Bandscheiben und Wirbelkörpern mithelfen kann.

     

    Zu wenig Beweglichkeit in der Wirbelsäule

    Beweglichkeit lässt sich auf unterschiedlich Arten schaffen. Um die Voraussetzungen für physiologische Bewegungen herzustellen spielen diverse Triggertechniken, Massagen, Dehntechniken, osteopathische und chirotherapeutische Mobilisation und Manipulation eine Rolle.

    Bewegungskoordination wird hierbei auf das “loslassen” fokusiert. Die Bewegung ist die selbe, die auch ein Patient mit Instabilität “neu” erlernt. (Denn Ziel ist ja immer sich den physiologischen Bewegungsabläufen wieder anzunähern.) Allerdings im Gegensatz dazu ohne zu kräftigen.

    Bewegungskoordination beginnt i.d.R. immer an einzelnen Brennpunkten des gestörten Bewegungsablaufs. Mit der Zeit werden grössere Zusammenhänge im Bewegungsablauf bewusst und können dann Stück für Stück in Alltagssituationen (Treppe steigen, Gehen, Laufen, Sitzen) integriert werden. So erfolgt physiologisches Training in genau den Situationen, die früher durch falsche Koordination zu Schmerzen und Verspannungen geführt haben.

     

    Ein Wort zum Muskeltraining:

    Muskeltraining ist eine wundervolle Sache, wenn man weiss, wie der natürliche Bewegungsabaluf aussehen soll, den man trainiert...

    Blindes trainieren einzelner Muskeln, herausgerissen aus dem physiologischen Bewegungsmuster, führt vielleicht dazu, dass der Muskel kräftiger wird. Besser einsetzen kann man ihn deswegen aber leider immer noch nicht.

    Aber man kann ja das eine tun und das andere nicht lassen...

     

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